Die Tradition des kalifornischen Weinbaus reicht fast zweihundert Jahre zurück. Im Auftrag des Herrn hatten Jesuiten begonnen Reben anzupflanzen, damit der Bedarf an Messwein gewährleistet werden konnte. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten Einwanderer aus Frankreich, Deutschland, Italien und Ungarn die Westküste und brachten zusätzliches Know-How mit. In ihrem Gepäck hatten sie ihre eigenen Rebsorten dabei: Barbera und Gewürztraminer, Grenache und Primitivo. Der grosse Durchbruch wurde durch den Ungarn Agoston Haraszthy (1812-1869) ab dem Jahre 1860 eingeleitet, der in Sonoma das Weingut Buena Vista Winery gründete und hunderte europäische Rebsorten einführte. Das im Jahre 1862 von ihm erbaute Presshaus ist heute eine Touristen-Attraktion. Haraszthy erweiterte den Besitz bis auf 2.500 ha Rebfläche, ging aber dann bankrott. Das Weingut wurde 2001 von Allied Domecq übernommen. Der Bayer Jacob Gundlach kaufte 1858 Land im Sonoma-County und gründete gemeinsam mit seinem Partner Emil Dresel das Weingut „Rhinefarm“ unmittelbar in der Nachbarschaft der Buena Vista Winery. Von einer Deutschlandreise brachte Gundlach Rebmaterial mit, darunter waren auch Riesling-Stöcke. 1861 trat der Mannheimer Charles Bundschu in die Firma ein. Dessen Geschäftssinn brachte dem Weingut in den nächsten Jahren einen grossen Aufschwung. Nach dem Tode von Jacob Gundlach 1894 wurde die Firma in Gundlach-Bundschu umbenannt. Das Unternehmen wird noch heute von der Familie Bundschu geführt.
Bis allerdings entdeckt wurde, dass kalifornische Trauben zu wirklichen Qualitätsweinen ausgebaut werden können, vergingen nochmals hundert Jahre. Eine einzige Vergleichsverkostung, bei der die Franzosen 1976 auf eigenem (Bordeaux-)Terrain das Fürchten lernten, katapultierte Kaliforniens Weine in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Heute gelten insbesondere die Erzeugnisse, die aus den Cabernet oder Chardonnay-Trauben gekeltert werden, als ausdrucksvolle Weine der Spitzenklasse. Zwischen 1987 und 1997 sank die Fläche für die Sorten der Anfangsjahre – Grenache, Petite Sirah, Colombard, Chenin, Riesling, Gewürztraminer oder Semillon – dramatisch, während sich die des Chardonnay auf über 35.000 Hektar verdreifachte. Auch Cabernet Sauvignon und Merlot verbesserten ihre Positionen. Von den alteingesessenen Sorten schaffte es nur der Zinfandel, seine Fläche zu verdoppeln. Auch renommierte Kellereien haben die alte Sorte wiederentdeckt. Mondavi und Beringer, Cuvaison, Cakebread und Markham gehören inzwischen ebenso zu den besten Zinfandel-Produzenten Kaliforniens wie Gallo, wo man mit Chiotti Vineyard, Rancho Zabaco und Frei Ranch aus dem Dry Creek Valley gleich drei Spitzenprodukte im Sortiment hält.
Riesige neue Weinbauzonen entstanden im gesamten Bereich der Central Coast, von Monterey im Norden über das südliche Salinas Tal, Paso Robles, das Edna Valley, Santa Maria, Santa Ynez bis hinunter ins Santa Barbara County. Kalifornien allein produziert mehr Wein als etwa Burgund und Bordeaux zusammen.
Unter dem Begriff "Cool climate viticulture" manifestierte sich der Trend zu kühleren Bedingungen für die klassischen Sorten. In Höhen bis zu 700 Metern wachsen heute auf neu angelegten Flächen – oft gut vor neugierigen Blicken versteckt – Weine, die gegenüber denen des Tals deutlich mehr Finesse und Klasse mitbringen. Ein solches, für kalifornische Verhältnisse ungewöhnlich kühles Anbaugebiet war Ende der sechziger Jahre zum ersten Mal mit dem Monterey-County erschlossen worden. Durch ein zum Meer hin offenes Tal wechseln sich hier morgendliche Nebel, mittägliche Hitzespitzen und ein abendlicher, empfindlich kühler Wind in rascher Folge ab.
Kleinen Weingütern bot sich eine viel versprechende Marktnische mit den zuvor stiefmütterlich behandelten Sorten des europäischen Südens an: Französische Reben wie Mourvèdre, Roussanne, Marsanne, Viognier, Grenache oder Syrah, italienische wie Sangiovese, Barbera, Nebbiolo oder auch Arneis, und sogar die spanische Tempranillo. Diese Kleinstgüter – und das ist eine der interessantesten Entwicklungen Kaliforniens der letzten Zeit – schossen wie Pilze in grosser Zahl aus dem Boden und hatten oft beachtlichen Erfolg. Wie zum Beispiel der Schweizer Philipp Togni aus dem Napa Valley.
Insgesamt zählt der Staat Kalifornien heute etwa 750 selbständige Weinbaubetriebe und Kellereien. Gut die Hälfte produzieren weniger als 60.000 Flaschen im Jahr und sind - gemessen an kalifornischen Verhältnissen - Kleinbetriebe. Beinahe 90 Prozent der Gesamtproduktion wird von den 20 grössten Unternehmen gestellt, wobei alleine Marktführer Gallo für einen Drittel verantwortlich ist. Weinbau und Weinproduktion waren in Kalifornien traditionell getrennt und die beiden Bereiche sind erst in den vergangenen Jahrzehnten aus den verschiedensten Gründen verschmolzen.
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