Die griechische Weingeschichte begann sozusagen mit einem Seitensprung des obersten Gottes Zeus mit der schönen Seméle, der zur Geburt von Dionysos führte, dem Gott des Weines. Aber auch ohne diese Sage gilt das antike Griechenland allgemein als „Mutterland“ bzw. „Wiege der europäischen Weinkultur“. Schon der Dichter Homer (8. Jhdt. v. Chr.) berichtet in der Ilias vom Wein als Hausgetränk der darin beschriebenen Helden. Und bereits in der mykenischen Kultur im 16. Jahrhundert vor Christi (Mykene = nordöstliches Peloponnes, heutige Provinz Argolis) gab es gezielten und durchaus professionellen Weinbau. Damals wurde von hier aus Wein nach Italien, Frankreich und Spanien exportiert und dort mit vielen griechischen Rebsorten die Weinkultur begründet. Viele der griechischen Weinbau-Methoden wurden dann von den Kelten und Römern übernommen. Wein war ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens, der Kultur und der Religion (siehe dazu auch unter antike Weine). Die Vielfalt der Rebsorten und Weine war sehr groß, der römische Dichter Vergil (70-17 v. Chr.) bemerkte dazu: „Es wäre leichter, in Griechenland die Sandkörner zu zählen als die verschiedenen Rebsorten.“
Vom 15. bis Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschten die Türken das Land, in dieser Zeit verlor durch das moslemische Wein-Verbot der Wein seine klassische Bedeutung. Erst längere Zeit nach der erlangten Unabhängigkeit im Jahre 1830 begann man sich wieder professionell mit dem Weinbau als Wirtschafts-Faktor zu beschäftigen. Im Jahre 1971 wurde dann eine kontrollierte Ursprungs-Bezeichnung nach Vorbild des französischen AC-Systems eingeführt. Seit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahre 1981 vollzieht sich ein großer Umbruch im griechischen Weinbau. Im Jahre 2000 wurden von 129.000 Hektar Rebfläche und 3,6 Millionen Hektoliter Wein produziert. Der Boden aus Kalk, Granit und Vulkangestein und das in den Weingebieten vorherrschende milde und mediterrane Klima wirken sich sehr günstig auf den Weinbau aus. Die häufig trockenen Herbste erbringen zumeist vollreife Trauben.
Es gibt rund 300 verschiedene, autochthone Rebsorten, ausländische werden zunehmend kultiviert. Rund die Hälfte der Rebflächen wird für die Erzeugung von Tafeltrauben und Rosinen (Korinthen und Sultaninen) genutzt. Nur weniger als 10% entfallen auf die Herstellung von Qualitätswein (OPAP und OPE). Auch heute noch zeichnet sich der griechische Weinbau durch lebendige und originelle Geschmacks-Richtungen aus. Rund 60% der erzeugten Weine sind alkoholstarke Weißweine, über 90% davon werden trocken hergestellt. Die häufigsten weißen Rebsorten sind Savatiano, Roditis, Moscato (verschiedene Arten), Debina, Robola, Assirtiko und Athiri, die häufigsten roten Sorten sind Xynomavro, Agiorgitiko, Limnio, Mavrodaphne und Negoska. Die Vorliebe für geharzten Wein, allen voran der Retsina mit rund 10% der gesamten Weinproduktion, ist eine uralte Tradition. Auf fast allen ägäischen Inseln werden süße, teilweise gespritete Dessertweine produziert, der bekannteste ist wohl der Samos. Ebenso bekannt ist der mit Anis aromatisierte Schnaps Ouzo. Zu den bedeutendsten Wein-Produzenten zählen Achaia Clauss, Boutari, Calligas, Cambas, Carras, Gaia, Hatzimichalis, Katsaros, Kourtakis, Mercouri, Oenoforos, Papaïoannou, Parparoussis, Skouras, Spiropoulos, Tsantali, Tselepos.
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